Sehr geehrter Herr Schünemann, MdL, Minister des Inneren und Sport in Niedersachsen
gratuliere. Sie haben den Begriff “Killerspiele” wieder in den Fokus der Medienlandschaft gerückt. Sie fordern für diese Spiele ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot. Wieder einmal. Nein, nicht Sie wieder einmal – generell wieder einmal. Muss wohl so sein – steht ja auch im Koalitionsvertrag (Seite 105, Punkt 6.3, ganz unten) der großen Koalition.
Lieber Herr Schünemann. Auch an Sie geht die Frage: “Was sind ‘Killerspiele’?”. Wann darf/muss/soll ich ein Spiel so nennen? Und wie wollen Sie ein Verbot durchsetzen, wenn mehr als 95% der Spieleentwicklung im Ausland stattfindet? Wie wollen Sie ein Verbreitungsverbot durchsetzen, wenn ein Spiel nur “einen Mausklick” entfernt ist? Und überhaupt: Wollen Sie sich wirklich bei jenen einreihen, die seit Jahrhunderten “neue Medien” verbieten wollen, anstatt sich damit auseinander zu setzen? Genießen Sie Shakespeare oder Theater im allgemeinen? Seien Sie denen dankbar, die die Verbotsrufe (wegen Gewaltverherrlichung und Verrohung der Jugend) ignoriert haben. Hören Sie Radio? Sehen Sie fern? Erlauben Sie ihren Kindern Comics und – sehr kritisch – Bücher? Waren Sie in letzter Zeit im Kino?
Das sind alles Formen der Unterhaltung. Für alle wurden Verbote gefordert. Warum? Weil Sie zur Verrohung der Jugend beitrugen. Zum Sittenverfall! Zur Verdummung! Zur Gewaltverherrlichung! Kommt Ihnen das bekannt vor? In machen Fällen wurde das Verbot durchgesetzt, in anderen nicht. Aber eines war den Verbotsforderern gemeinsam: Sie haben sich nicht mit dem Thema auseinandergesetzt. Sie sahen nur etwas Neues, bekamen Angst und missbrauchten ihre Macht destruktiv, anstatt konstruktiv mit dem Thema umzugehen.
Gebracht hat es ihnen gar nichts. Shakespeare, verschrieen zu seiner Zeit, gilt heute als einer der bedeutendsten Theaterautoren seiner und aller Zeiten. Oder würden Sie zum Beispiel „Henry 5th.“ als kriegsverherrlichend oder „MacBeth“ als gewaltverherrlichend verbieten lassen wollen? Theater und Oper ist Unterhaltung auf kulturell höchstem Niveau. Aber einige Stücke zeichnen sich hauptsächlich nur durch Abscheulichkeiten auf der Bühne aus. Wollen Sie diese Stücke verbieten lassen? Actionschauspieler in den Knast, weil sie unsere Kinder verderben? Comics, Radio, TV, Bücher, Kino und Musik – alles Kunstformen, die zugegeben ihre dunklen Seiten haben. Aber selbst mit diesen setzt man sich in den Feuilletons auseinander. Wagen Sie es, und fordern Sie ein Verbot von „Lordi“ – aufgrund der Masken.
Computerspiele sind eine noch junge Form der Unterhaltung. Tatsächlich so jung, dass sich über Kunst im Videospiel und Videospiel als Kunst immer noch die Geister scheiden. Bevor Sie sich also in die Front derer einreihen, die lautstark gegen Spiele brüllen, setzen Sie sich doch einfach mal damit ernsthaft auseinander. Und plappern Sie „dem Rechtsanwalt aus Franken“ nicht alles nach.
Denken Sie daran: Ihre Nachfolger werden sich mit Computerspielen bestens auskennen und Ihnen den Stellenwert geben, den sie verdienen. Ein Verbot hätte sich also spätestens in der nächsten Generation überlebt. Aber welche Auswirkungen hätte es bis dahin auf die Kompetenz, diese Spiele zu beurteilen und für sich selbst in ein Werteraster zu übertragen?
Und welche Konsequenz hätte so ein Verbot auf Artikel 5 des Grundgesetzes?

















[...] ich mich auch gar nicht darüber aufregen. Was ich von der Killerspiel-Debatte halte, habe ich an anderer Stelle schon ausgeführt. Meine Meinung hat sich in der ganzen Zeit ebensowenig geändert, wie die [...]